Spannungsabfall am LED-Streifen: erkennen, nachrechnen, beheben

Schlafzimmer mit Altholzwand hinter dem Bett: ein LED-Streifen hinter der oberen Wandkante wirft indirektes warmes Licht an die Decke, zwei kleine Wandleuchten strahlen nach oben und unten.
Schlafzimmer mit Altholzwand hinter dem Bett: ein LED-Streifen hinter der oberen Wandkante wirft indirektes warmes Licht an die Decke, zwei kleine Wandleuchten strahlen nach oben und unten.
SO BEWERTEN WIR
Technische Prüfung: Werte gegen Herstellerdatenblatt und (bei Leuchtmitteln) EPREL-Eintrag abgeglichen.
Normen-Bezug: relevante Vorgaben benannt (z. B. DIN 18015-1). Wir nennen die Norm, nicht „die Vorschriften".
Herstellerangaben: GPSR-Daten und Datenblatt direkt verlinkt.
Transparenz: Nicht jedes Produkt haben wir physisch im Einsatz gehabt. Wo wir uns auf Herstellerangaben oder Normen stützen, sagen wir das. Wir behaupten keine Praxiserfahrung, die wir nicht haben.

Ein LED-Streifen, der am Anfang hell leuchtet und zum Ende sichtbar dunkler wird, ist nicht defekt. Er zeigt Spannungsabfall. Dasselbe gilt oft für Flackern unter Last: Die Spannung am Streifen bricht ein, sobald Strom fließt. Beides lässt sich messen, berechnen und mit überschaubarem Aufwand beheben. Wir zeigen dir, woran du Spannungsabfall erkennst, wie du ihn nachrechnest und welche Lösung zu welchem Fall passt.

Woran du Spannungsabfall erkennst

Vier Symptome deuten auf zu wenig Spannung am Streifen:

  • Helligkeitsgefälle: Der Streifen wird über die Länge dunkler. Am Einspeisepunkt volle Helligkeit, am Ende sichtbar weniger. Bei einfarbigen Streifen fällt das ab etwa 5 % Spannungsverlust auf.
  • Farbverschiebung bei RGB und RGBW: Zum Streifenende hin kippt Weiß ins Rötliche. Rote LED-Chips haben die niedrigste Flussspannung und leuchten als letzte noch, wenn Grün und Blau schon aussteigen.
  • Flackern unter Last: Der Streifen läuft stabil, flackert aber, sobald du auf volle Helligkeit dimmst oder weitere Segmente zuschaltest. Typisch für ein Netzteil an der Leistungsgrenze.
  • Flackern beim Einschalten anderer Verbraucher: Wenn der Streifen zuckt, sobald der Kühlschrank anläuft, sitzt das Problem eher in der 230-V-Zuleitung oder im Netzteil selbst als im Streifen.

Zur Abgrenzung: Gleichmäßiges, schnelles Flimmern über die gesamte Länge ist meist kein Spannungsabfall, sondern ein Dimmer-Thema. Dazu unten mehr.

Warum die Spannung abfällt

Jeder Leiter hat Widerstand. Fließt Strom, fällt daran Spannung ab: U = R × I. Beim LED-Streifen wirken zwei Widerstände in Reihe: die Zuleitung vom Netzteil zum Streifen und die Kupferbahnen im Streifen selbst. Beide sind dünn, und bei 12 V oder 24 V fließen hohe Ströme, weil die gleiche Leistung bei niedriger Spannung mehr Strom braucht.

Ein Rechenbeispiel mit realistischen Werten. Ein 5-m-Streifen mit 14,4 W/m zieht 72 W. Bei 12 V sind das 6 A. Speist du über 5 m Zuleitung mit 0,75 mm² ein, hat die Leitung (Hin- und Rückweg, also 10 m Kupfer) rund 0,24 Ω Widerstand. Der Spannungsabfall allein auf der Zuleitung: 6 A × 0,24 Ω = 1,4 V. Am Streifen kommen statt 12 V nur noch 10,6 V an, ein Verlust von fast 12 %. Der Streifen leuchtet schon am Einspeisepunkt zu dunkel, und der Abfall in den Kupferbahnen kommt noch obendrauf.

Dieselbe Rechnung bei 24 V: 72 W bedeuten nur 3 A. Der Abfall auf derselben Leitung halbiert sich auf 0,7 V, und bezogen auf 24 V sind das nur noch 3 %. Der Streifen bleibt im grünen Bereich. Halber Strom, viertel Verlustleistung: Deshalb entscheidet die Spannung über die machbare Länge.

Spannungsabfall an der Zuleitung12 V vs. 24 VGleicher Streifen (5 m, 14,4 W/m = 72 W),gleiche Zuleitung (5 m, 0,75 mm²)12-V-SystemNetzteil12 VZuleitung6 A → −1,4 Vsichtbares Helligkeitsgefälle10,6 V am StreifenVerlust 12 %24-V-SystemNetzteil24 VZuleitung3 A → −0,7 Vgleichmäßige Helligkeit23,3 V am StreifenVerlust 3 %Halber Strom bei 24 V = ein Viertel derVerlustleistung auf derselben Leitung (U = R × I).eltronik.de
Gleicher Streifen, gleiche Zuleitung: bei 12 V gehen 1,4 V verloren, bei 24 V nur 0,7 V.

Als Orientierung für den Wert „grüner Bereich": Die DIN 18015-1 setzt für die Festinstallation in Wohngebäuden maximal 3 % Spannungsfall an. Sie gilt für die 230-V-Seite, nicht für Kleinspannungs-Streifen. Der Richtwert taugt trotzdem als Zielmarke: Hältst du auch auf der 12-V- oder 24-V-Seite unter 3 %, siehst du kein Helligkeitsgefälle.

Die vier häufigsten Ursachen

1. Zu dünne oder zu lange Zuleitung. Der Klassiker, siehe Rechenbeispiel. Faustregel: Zuleitung so kurz wie möglich, Querschnitt lieber eine Stufe größer. Bei 6 A und mehr als 2 m Weg gehören 1,5 mm² dran, nicht 0,75 mm².

2. Zu langer Streifen an einer Einspeisung. Die Kupferbahnen im Streifen sind der zweite Widerstand. Herstellerdatenblätter nennen deshalb eine maximale Länge pro Einspeisepunkt, bei 12-V-Streifen mit hoher Leistung oft nur 5 m. Wer 10 m in Reihe an ein Ende hängt, bekommt das Helligkeitsgefälle garantiert.

3. Netzteil ohne Reserve. Ein Netzteil, das dauerhaft an der Nennlast läuft, wird heiß, altert schneller und bricht bei Lastspitzen ein: Der Streifen flackert. Kalkuliere rund 20 % Reserve ein. Für die 72 W aus dem Beispiel heißt das ein Netzteil ab etwa 90 W, nicht das 75-W-Modell. Unser Netzteil-Rechner nimmt dir die Rechnung ab.

4. Schlechte Übergänge. Jeder Klippverbinder, jede Lötstelle, jede Klemme ist ein zusätzlicher Übergangswiderstand. Ein einzelner korrodierter oder locker sitzender Verbinder kann mehr Spannung fressen als 5 m Leitung. Flackern, das beim Bewegen des Streifens auftritt, ist fast immer ein Kontaktproblem.

So behebst du es

Miss zuerst, bevor du tauschst. Ein Multimeter an den Einspeisepunkt und ans Streifenende, jeweils bei voller Helligkeit. Die Differenz ist dein Spannungsabfall. Danach in dieser Reihenfolge:

  1. Auf 24 V planen, wo es geht. Bei Neuinstallationen ab etwa 5 m Länge ist ein 24-V-System die strukturell sauberere Wahl. Gleiches Licht, halber Strom, viertel Verlust.
  2. Querschnitt erhöhen und Weg verkürzen. Netzteil näher an den Streifen, Zuleitung auf 1,5 mm² oder 2,5 mm². Oft die billigste Maßnahme mit dem größten Effekt.
  3. Beidseitig oder mittig einspeisen. Bei langen Streifen die Versorgung an beiden Enden anschließen oder in der Mitte einspeisen. Halbiert die wirksame Streifenlänge und damit das Gefälle.
Einspeisung: einseitigvs. beidseitigLanger 12-V-Streifen, identisches Netzteil,identische LängeEinseitig eingespeistNetzteil12 VHelligkeitsgefälle zum Ende100 %deutlich dunklerBeidseitig eingespeistNetzteil12 Vzweite Zuleitung ans Streifenende100 %≈ 100 %wirksame Länge halbiertBeidseitige Einspeisung halbiert den Weg, dender Strom durch die Kupferbahnen nimmt.eltronik.de
Beidseitige Einspeisung halbiert die wirksame Streifenlänge und damit das Helligkeitsgefälle.
  1. Netzteil mit Reserve dimensionieren. Streifenleistung plus 20 %, Werte aus dem Datenblatt, nicht geschätzt.
  2. Verbinder prüfen oder löten. Bei Strömen ab etwa 3 A sind gelötete Verbindungen den Klippverbindern überlegen. Wenn Klippverbinder, dann auf sauber sitzende, oxidfreie Kontakte achten.

Davon raten wir ab: 12-V-Streifen über 5 m mit nur einer Einspeisung am Streifenende zu betreiben. Das Helligkeitsgefälle ist bei leistungsstarken Streifen physikalisch nicht zu vermeiden, egal wie gut das Netzteil ist. Ab dieser Länge gehört die Anlage auf 24 V oder auf beidseitige Einspeisung umgeplant.

Wenn es nicht der Spannungsabfall ist

Flimmert der Streifen gleichmäßig über die gesamte Länge, liegt die Ursache meist woanders:

  • Dimmer-Inkompatibilität: Ein 230-V-Phasenabschnitt-Dimmer vor einem nicht dimmbaren Netzteil erzeugt zuverlässig Flackern. LED-Streifen dimmt man auf der Sekundärseite per PWM-Controller, nicht vor dem Netzteil.
  • Zu niedrige PWM-Frequenz: Controller mit PWM-Frequenzen unter etwa 500 Hz können sichtbares Flimmern erzeugen, besonders in Videoaufnahmen und bei schnellen Augenbewegungen. Das Datenblatt des Controllers nennt die Frequenz.
  • Defektes oder überaltertes Netzteil: Ausgetrocknete Kondensatoren führen zu Restwelligkeit am Ausgang. Erkennbar daran, dass ein Tausch-Netzteil das Problem sofort löst.

Kurz zusammengefasst

Helligkeitsgefälle und lastabhängiges Flackern sind fast immer Spannungsabfall: zu dünne Zuleitung, zu langer Streifen, zu knappes Netzteil oder schlechte Verbinder. Die Lösung ist Systemplanung statt Symptombehandlung: 24 V ab 5 m, ausreichender Querschnitt, 20 % Netzteil-Reserve, saubere Übergänge. Wer vor dem Kauf rechnet, statt hinterher zu messen, spart sich den zweiten Bestellvorgang. Der Netzteil-Rechner hilft bei der Dimensionierung.

QUELLEN ZU DIESEM ARTIKEL
Herstellerdatenblatt Netzteil: LED Trafo 24V/DC, 0-100W, IP66, Powersync (Datenblatt PDF)
Herstellerdatenblatt Streifen: LED SIL840 Flexband, 24V DC, 14,4W, IP20, 4000K, 5m Rolle (Datenblatt PDF)
Norm/Vorschrift: DIN 18015-1 (Spannungsfall zwischen Zählerplatz und Verbrauchsmittel)
Stand: 19. Juli 2026
REDAKTIONELLE EINORDNUNG
Dieser Artikel entstand im redaktionellen Prozess der Eltronik-Redaktion: KI-gestützter Entwurf aus recherchierten Quellen (Herstellerdatenblätter, Normen, technische Unterlagen), strukturiert nach unserer Methodik und auf fachliche und rechnerische Konsistenz geprüft. Wir bauen unser Redaktionsteam weiter aus.
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